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Dem Urbayer auf der Spur: Bürgermeister Christian Schiller lud ein auf Bibersafari am Ammersee

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 01. August 2019

So etwa mit 10 bis 12 Leuten hätte gerechnet begrüßte ein sichtlich überraschter aber auch umso erfreuter Christian Schiller die rund 200 Teilnehmer der Biber-Safari. Seit einigen Jahren bevölkern die eigentlich recht possierlichen Tierchen das Ufer des Ammersees und doch bekommt man sie eher selten zu Gesicht. Sichtbar dagegen sind die Schäden, die sie an den Bäumen und anderen Gewächsen an der Uferpromenade hinterlassen. Seit längeren beschäftigt sich in Folge auch der Gemeinderat mit den Tieren und der Bürgermeister suchte das Gespräch mit dem ehrenamtlichen Biberbeauftragten des Landratsamts Starnberg und Leiter der Geschäftsstelle Starnberg des LBV, Franz Wimmer. Was dieser mitzuteilen hatte fand Christian Schiller so interessant, dass er auch andere daran teilhaben lassen wollte. Die Idee einer Bibersafari war geboren – und stieß auf lebhaftes Interesse!

Eingezäunte Bäume an der Uferpromenade sind wahrlich kein schöner Anblick, aber leider die wirksamste Methode gegen den Biberbiss. Und so kommt es, dass seit einiger Zeit mehrere Drahtgeflechte an der Promenade zu sehen sind, um die umzäunten Bäume vor diesen Nagetieren zu schützen. Rund ein bis zwei Stunde benötigen die emsigen Tiere für dünne Stämme, während sie bei den dicken Exemplaren lieber Teilzeit arbeiten. „Man vermutet, dass die Biber sie gezielt nur anknabbern, um die Herbststürme die restliche Arbeit erledigen zu lassen" erklärt Franz Wimmer. Das wichtigste Werkzeug beim Nagen sind ihren scharfen Zähne, deren eigenartige Rotfärbung durch eine Schicht Eisenoxyd an der Außenseite bedingt ist. Diese harte Schicht in Verbindung mit dem „normalen" Zahnmaterial an der Innenseite und lebenslangen Nachwachsen, macht aus den Beißern ein äußerst scharfkantiges und effizientes Werkzeug. Ein Werkzeug, das der Gemeinde inzwischen ziemlich viel Ärger, zahlreiche Beschwerde-Post und kaputte Bäume beschert hat.

Bibersafari 1

Mit 10 bis 12 Leuten hatte Bürgermeister Christian Schiller gerechnet – gekommen aber waren etwa 200 Interessierte an der Biber-Safari, auf der Franz Wimmer viel Wissenswertes über dieses Nagetier erzählte

Dabei war der Biber eigentlich zuerst da, wie Franz Wimmer versichert. Seit ca. 10 Mio. Jahren ist dieses größte einheimische Nagetier in Eurasien heimisch, das im und am Wasser lebt. Als Anschauungsobjekt hatte er „Bärbel" mitgebracht, ein Unfallopfer der B471, das er vor einigen Jahren aufgeklaubt und präparieren hat lassen. Die Kinder scharen sich um das Präparat und streicheln vorsichtig das dichte und kompakte Haar. Gerade viele Männer könnten da aber auch wirklich neidisch werden, versammeln sich hier doch glatt 23.000 Haare auf einem cm2 an der Bauchseite und gut die Hälfte im Nackenbereich. Beim Menschen sind auf gleicher Fläche gerade mal 300-400 anzutreffen – und bei so etlichen männlichen Vertretern noch deutlich weniger.

Bibersafari 5

Ein possierliches Tierchen, dessen scharfen Zähnen aber leider auch viele Bäume und Sträucher zum Opfer fallen: der Biber ist am Ammersee wieder heimisch geworden

Den Bibern gibt das dichte Fell zwar einen guten Schutz gegen die Kälte – führte aber in früheren Jahren zur intensiven Bejagung. Der dichte Pelz, ihr Duftsekret und auch ihr Fleisch hatte dazu geführt, dass diese Tiere Mitte des 19. Jahrhunderts in Bayern ausgerottet waren. „Die Kirche hatte den Biber wegen der schuppenförmigen Haut kurzerhand als Fisch eingestuft und somit als Fastenspeise zugelassen" erklärte Franz Wimmer die große Nachfrage an gerade diesem Fleisch.
Vor etwa 50 Jahren erst wurden dann ca. 120 Biber wieder in Bayern angesiedelt und bauen sich seither neue „Burgen", wie ihre Behausungen genannt werden an den Flüssen und Seen. Eine solche Burg hatte der Tierarzt Dr. Uli von Weidenbach nahe seinem Steg entdeckt und sich Bereit erklärt, die Teilnehmer der Safari hierher einzuladen. In kleinen Grüppchen versammelten sich die Leute ganz leise auf dem Steg, um die scheuen Nager nicht zu erschrecken. Zu sehen war der Eingang zur Burg inmitten des dichten Schilfes und eine Reihe von angefressenen Ästen und Bäumen. Nur die Hauptperson des Abends machte sich rar – und erschien erst auf der Bildfläche, als die letzte Gruppe des Abends in der zunehmenden Dämmerung ausharrte. Uli von Weidenbach deutete plötzlich auf ein näherkommendes „V" im Wasser, aus dem bald ein flacher Kopf sichtbar wurde. In aller Ruhe knapperte der Heimkehrer dann zum Abendessen das frische Grün einiger Schilfpflanzen - im Sommer seine bevorzugte Nahrung. „Die Rinde der großen Bäume dient ihm eigentlich nur im Winter als Nahrung" klärte Franz Wimmer auf, wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen.

Bibersafari 4

Wie auf einer echten Safari hatten auch am Ammersee leider nicht alle Teilnehmer das Glück, die Hauptperson des Abends live zu erleben

Der Biber jedenfalls schien seinen Auftritt zu genießen und auf dem Steg ist inzwischen nur noch das emsige Klicken der Kameras zu hören, als auch die restlichen Burgbewohner nach und nach eintrudeln. Der Bürgermeister strahlt und auch der Biber-Beauftragte ist sichtlich begeistert: so nah kommt man nur selten an die scheuen Tiere heran. Aber auch am Ammersee gelten eben die wahren Safari-Regeln: nur mit Geduld und Ruhe lassen sich die wilden Tiere beobachten!

Für Sie berichtete Barbara Geiling

 

Ein kleiner Biber-Steckbrief

• Der Biber wird ca. 15 – 20 Jahre alt und erreicht eine Körperlänge von bis zu 1 Meter plus 30 cm Schwanz
• In einer Biber-Burg lebt ein Familienverbund, der aus den Eltern und den letzten zwei Jungtiergenerationen besteht. Um die 6 Tiere also, da die monogamen Tiere in der Regel 2 Kinder bekommen
• Wo der Biber schon über einen längeren Zeitraum angesiedelt ist, stagniert der Bestand, da er dann alle möglichen Reviere besiedelt hat und ein tödliches Reviersystem (Verbeißen von Jungtieren) ein Anwachsen verhindert
• Es sind scheue Wildtiere, die nur in Gefahrsituationen aggressiv werden. Also: nicht in die Enge treiben, nicht den Weg abschneiden und nicht streicheln
• Dank ihres torpedoförmigen Körpers und der großen Hinterfüße mit Schwimmhäuten sind sie großartige Schwimmer. Der Schwanz dient als Steuerruder und platscht zum Alarm für Artgenossen kräftig auf das Wasser
• Der Biber besitzt das dichteste Pelz im Tierreich und pflegt es mit Hilfe einer „Putzkralle" an den Hinterfüßen, die zugleich ein öliges Sekret absondert
• Die größten einheimische Nagetiere schwimmen ca. 5 km/h und können bis zu 5 Minuten unter Wasser bleiben, in Ruge sogar 20 Minuten
• Sie sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng und besonders geschützt

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