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Können Bäume den Klimawandel stoppen? Ein Expertengespräch auf Einladung des Kulturvereins beleuchtete ihre Rolle und informierte über grundlegende Hintergründe

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 23. September 2019

Was versteht man eigentlich unter Klima? Welchen Einfluss hat die CO2-Konzentration und ist dieses Gas der Alleinschuldige am Temperaturanstieg? Treibhauseffekt, Fußabdruck, CO2-Bindung durch Bäume und andere Schlagwörter mehr lesen wir aktuell tagtäglich in der Presse. Und verstehen sie wirklich alle? Eine kurze Einführung vor Beginn des Gesprächs sorgte für Klarheit. Und das Gespräch im Anschluss für neue Fragen und Anregungen. Heinz Hellerer führte die Diskussion zwischen Gerd Mulert von der Energiegenossenschaft Herrsching, Marcus Schafft, Gründer von treevolution, einer seit 2015 eigenständigen Firma in Herrsching und zahlreichen Gästen. Bäume spielten eine grundlegende Rolle in diesem Gespräch – wie sie auch zum Schutz vor dem Klimawandel eine tragende Rolle spielen.

Über Jahrhunderte blieb die CO2-Konzentration nahezu konstant und erfuhr erst um 1800 mit Beginn der Industrialisierung eine rasante Steigerung. Seither bedingte sie einen Temperaturanstieg von 0,90 C. Von den 18 wärmsten Jahren, die je gemessen wurden, waren 17 seit dem Jahr 2001. Ursache für diese Erwärmung ist der menschengemachte Treibhauseffekt, der wiederum durch die stetige Zunahme von Treibhausgasen wie CO2 oder Methan in der Atmosphäre verursacht wird. Diese Gase absorbieren die von der Erde zurückgestrahlten Wärmestrahlen, schicken sie wieder an die Erde zurück und die Erde erwärmt sich.
Die Folgen dieser zunehmenden Erwärmung?
Wetterphänomene wie Dürreperioden, Überschwemmungen, und Stürme nehmen stetig zu und die Biodiversität in erschreckenden Maße ab: jede Woche sterben ca. 300 Arten aus. Und nicht zuletzt werden durch diese Veränderungen weitere Effekte losgetreten, die sich selber verstärken. Das Abtauen der Permafrostböden und die damit austretenden Methangase, das Ausbreiten von Krankheiten, Menschen, die aufgrund klimatischer Veränderungen ihre Heimat verlassen müssen u.v.a.m. Dass etwas getan werden muss, haben die meisten Politiker erkannt und mit dem Pariser Klimaabkommen erstmalig rechtsverbindliche Vorgaben ratifiziert, um einen weiteren Temperaturanstieg zu vermeiden. Aktuell sind die Bemühungen für einen Klimaschutzplan wieder aufgelebt und ein wichtiger Aspekt in dieser Diskussion spielt dabei die Bepreisung von CO2.

Klima Gespraech 2

Der Kulturverein mit seinem Vorsitzenden Heinz Hellerer (Mitte) veranstaltete ein sehr aufschlussreiches Gespräch zum Klimatag mit Gerd Mulert von der Energiegenossenschaft und Marcus Schafft von treevolution – und sehr vielen Gästen aller Altersstufen

Bäume können CO2 binden und durch die Photosynthese in Sauerstoff umwandeln. Marcus Schafft zeigte hierzu einen Kurzfilm, der eindrucksvoll zeigte, in welchem Maße Bäume die Treibhausgase „wegatmen". Die Bäume also als Lunge unserer Erde - eine Lunge aber, „die immer kleiner wird" betonte Marcus Schafft. Die ETH Zürich hätte berechnet, dass eine Aufforstung in der Größe Amerikas notwendig wäre, um alle Emissionen aufnehmen zu können – „aber damit ist Trump wohl nicht einverstanden". Umso wichtiger also sei es, den Bäumen einen ganz neuen Stellenwert zu geben.
Treevolution setzt entsprechend auf eine Bilanzierung des Baumbestandes, um an Daten über die Klimaregenrationsleistung von Gehölzen und Holz zu kommen. Wenn demnächst eine CO2-Steuer kommt, wird damit ein Wert für dieses Gas festgelegt, mit dem man rechnen kann. Und demgegenüber man im Gegenzug auch CO2-bindende Faktoren wie Bäume steuermindernd einsetzen könnte. Für Marcus Schafft eröffnen sich durch die Bepreisung von CO2 viele neue Geschäftsmodelle und sieht es als große Aufgabe an, die Regenerationsfähigkeit durch neue wirtschaftliche Modelle und Anreize zu steuern.
Die Bäume also als Klimaretter? Als sehr wichtige Helfer allemal, wie auch Gerd Mulert betont und weist auch auf den weiterführenden Nutzen von Holz hin. Gebäude in Holzbauweise, die gleichzeitig als Kohlestoffspeicher wirken z.B. Die Betonung auf Regionalität und das Schauen auf die eigene Verhaltensweise: auch der persönliche CO2-Fußabdruck hat bisweilen noch Optimierungspotential.

Für Sie berichtete Barbara Geiling

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