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Feiner Impro-Humor zu Fasching

Kategorie: Veranstaltungen Veröffentlicht: 02. März 2021

Beim evangelischen Gesprächstag zeigte Performerin Ruth Geiersberger viele Facetten ihres Könnens

Lustig sein „auf Teufel komm' raus"? Das liegt Schauspielerin Ruth Geiersberger gar nicht. „Ich mag mehr die tiefgründige Leichtigkeit", sagt sie von sich. Deshalb gab's beim Gesprächsabend der evangelischen Gemeinde Herrsching am 11. Februar mit der Münchner Sprachakrobatin auch so manchen nachdenklich stimmenden Moment. Und das an Altweiberfasching! Zum einstündigen Livestream aus dem Gemeindesaal begrüßte Diakon Hans-Hermann Weinen mit dem Jahresmotto „Kultur trotz(t) Corona". Die Veranstaltung wurde gefördert von der Evangelischen Akademie Tutzing, vertreten durch Mia Schmidt, Vorsitzende des Herrschinger Seniorenbeirats.

 

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Hatten schon Spaß bevor es losging: Performerin Ruth Geiersberger (mi.) mit Mia Schmidt und Hans-Hermann Weinen. Foto: Schmieder

Für ihren Auftritt hatte sich Ruth Geiersberger kein strenges Programm auferlegt, es sollte Platz sein für Improvisation, „mal sehen, wo es mich hintreibt". Das Entree überließ sie zunächst ihrem „Ziehvater" Karl Valentin, indem sie dessen erheiternde Hommage an die „Loreley" von einer Schallplatte abspielte, gefolgt von einem stimmlich virtuosen Vortrag seiner nicht minder bekannten Episode des Besuchs einer Singvögelausstellung. Mit unzähligen Fragen zu allerlei Nebensächlichem treibt Valentin darin die Billetverkäuferin schier in den Wahnsinn! Und Geiersberger setzte diesen Weg ins Absurde spielerisch fort, wenn sie das Lied „Da ist der Wurm drin" trällerte, begleitet von ihrer „Quetsche", einem Mini-Akkordeon. Vom gesungenen Wurm zur aufziehbaren Schnecke, die einmal in Gang gesetzt über den großen schwarzen Flügel saust, bis sie an einer Unebenheit hängen bleibt. Ja, da ist der Wurm drin! „Wo kommt diese Schnecke her? Was macht die da? Müssen wir uns das jetzt bieten lassen? Ob die mal weg geht? Was will denn diese Schnecke auf dem Klavier? Darf die das? Kann die das?": Geiersberger bohrte mit der Lyrik von Slam-Poetin Nora Gomringer das scheinbar sinnlose valentineske Frageritual auf, kehrte zurück zur Singvögelausstellung, erinnerte an den darin auch auftretenden Hühnerhund und ließ dem Bizarren freien Lauf. „Blablabla, Blablabla" zitierte sie weiter Ernst Jandls berühmtes Dada-Gedicht, mehr gesungen als gesprochen. Dazwischen sprang mit spitzer Stimme eine Maus, deren Welt immer enger wird bis sie letztlich von der grummelnden Katze verspeist wird. „Blablabla!" Mit professioneller Leichtigkeit und klangbreiter Intonation stellte die Künstlerin in jeder Szene ihr reiches Repertoire unter Beweis.

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„Textergüsse", Lyrikvortrag, Märchen, Gstanzln, Drama und Dreigesang: Künstlerin Ruth Geiersberger huldigte mit ihrer Klangperformance dem feinen Humor. Foto: Schmieder

An diesen Ausflug in die Tierwelt schloss Geiersberger verzweigte Betrachtungen über die Liebe an, „es geht ja eigentlich immer um Liebe". Das Wort LIEBE Buchstabe für Buchstabe singend, fiepend, brummend, die Tonleiter hinauf und hinunter zerlegend, lud sie die Zuschauer zuhause ein, es ihr gleichzutun: „Würde mich sehr interessieren, was da für ein Konzert gerade entsteht?", fragte sie sich. Der Liebe in den Märchen ging sie auf den Grund, als sie „Die Prinzessin auf der Erbse" vorlas und mit dem Lied „Am Brunnen vor dem Tore" zum „Froschkönig" überleitete, nicht ohne vorher zu gestehen: „Ich hab schon viele Frösche an die Wand geschmissen!" Vielleicht rührt es daher, dass Geiersberger höchst gekonnt im Jugendslang Prinzessin und Frosch lebendig werden ließ bis sie ganz nah vor der Kameralinse in die „Prinzenrolle" schlüpfte. Die humorvollen und musikalischen Improvisationen rund um die Liebe gipfelten im komischen Drama in zehn Akten „König Pippin, Prinzessin Berta und der kleine Karl der Große", das im Zuge eines Schreibkurses für Analphabeten entstand. Geiersberger verfremdete es liebevoll mit ihrem urmünchnerischen Bayerisch und haute dafür mal zart, mal heftig in die Tasten des Flügels, auf dessen Deckel sich urplötzlich die aufgezogene Schnecke wieder in Bewegung setzte. Groteske pur!

Ganz leise, mit einer idyllischen Volksweise, klang ihr Auftritt aus: Mit dem Dreigesang „Stad, stad, stad" zeigte sie ihrem Publikum wie anders der Fasching im Coronajahr 2021 doch sein kann.

Für Sie berichtete Petra Schmieder

Veranstaltung auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=1DAw7w87wck

 

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