Vier Tage Fotoausstellung im Kurparkschlösschen mit Tibor Leiter, Maximilian Gottwald, Pe-Lin Neven Du Mont und Jörg Reuter
Fotoausstellung – Vier Perspektiven
Der Kulturverein Herrsching e.V. ludt am Mittwoch, den 2.10. um 19 Uhr zur Ausstellungseröffnung ins Kurparkschlösschen ein, wo auf drei Etagen eine Fotografin und drei Fotografen aus der Region ihre Werke bis Sonntag präsentierten. Die Kunsthistorikerin, 2. Vorsitzende des Kulturvereins und Organisatorin der Ausstellung Catharina Geiselhart gab in ihrer Einführungsrede den Besuchern die Aussage des französischen Filmregisseurs Robert Bresson „Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen worden wäre.“ für ihren Rundgang mit auf den Weg. Tibor Leiter zeigte im Erdgeschoss den Ammersee, seine Fauna und die umgebende Landschaft. Er kam 2014 von Ungarn nach Deutschland und entdeckte 2019, erst vor wenigen Jahren, die Fotografie für sich, wie er sagt: „um Geschichten zu erzählen.“ Nach einer faszinierenden Bergwanderung in Garmisch-Partenkirchen am Kramerspitz, versuchte Tibor Leiter seinen Freunden zu erzählen, „wie schön und interessant der Ort war, den ich besucht hatte, und zeigte dabei die Aufnahmen im Handy, die jedoch nicht annähernd das wiedergeben konnten, was ich gesehen hatte. So konnten meine Freunde das Erlebnis, das ich gehabt hatte, nicht nachvollziehen. Das mit dem Handy aufgenommene Foto gab es nicht wieder, erreichte nicht sein Ziel. Ich beschloss, eine Kamera zu kaufen, die ich fortan überallhin mitnahm.“ Im intensiven Selbststudium, „durch Üben, Lernen und meine Neugier“ sowie „inspirierende Kritik aus meinem Umfeld konnte ich mich rasch weiterentwickeln und verbessern.“ Heute gelingt es Tibor Leiter tatsächlich „sichtbar zu machen, was ohne ihn nie wahrgenommen worden wäre.“
Durch sein Objektiv lässt sich die vielfältige Tierwelt am und im Ammersee ganz nah und die vertraute Landschaft rund um den See in den unterschiedlichen tages- und jahreszeitlichen Stimmungen völlig neu entdecken. Im 1. Obergeschoss empfing eine Fotowand von Maximilian Gottwald mit zwei monumentalen, japanischen vintage Filmplakaten die Betrachter. Der in München geborene Architekturfotograf findet neben Auftragsarbeiten, die er für Architektur- und Ingenieurbüros anfertigt, als freier Fotograf seine Motive während seiner Reisen, häufig zufällig, als aufmerksamer Beobachter, der sich treiben lässt. In der Fotoserie „vintage japanese movie posters“ widmet sich Gottwald Plakatwänden, an denen über Jahrzehnte Filmplakate palimpsest-artig immer wieder übereinander aufgetragen wurden. Diese von der Zeit gezeichneten, zerrissenen und vergilbten Plakate erlauben unterschiedlichste Einblicke in die Geschichte des Kinos in Japan. „Mit meiner Fotoserie möchte ich sowohl die Kunst als auch die Geschichte des japanischen Kinos würdigen. Die Filmplakate, die in den Straßen Japans hängen, sind ein wesentlicher Bestandteil der Filmkultur und haben das Kinoerlebnis der damaligen Zeit geprägt. Die Fotoserie soll den Zuschauern die Augen öffnen und sie auf eine nostalgische Reise in die Vergangenheit des japanischen Kinos mitnehmen. Jedes Foto erzählt eine einzigartige Geschichte und ist ein Fenster in eine andere Epoche.“
v.l.n.r.: Jörg Reuther, Catharina Geiselhart, Tibor Leiter, Maximilian Gottwald
In der zweiten, in der Ausstellung gezeigten Fotoserie „japanese cemeteries“ dokumentiert Gottwald die einzigartige Verschmelzung von Stadt- und Friedhofslandschaften, die einen eindringlichen Blick auf die Lebensrealität und die gesellschaftliche Kultur des zeitgenössischen Japans eröffnet. „Die Friedhöfe inmitten der Stadt mit den Hochhäusern und der urbanen Landschaft im Hintergrund, aufgenommen in der Dämmerung und bei Nacht zeigen für mich die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und Moderne sowie Leben und Tod. Diese Serie gibt einen faszinierenden Einblick in die Vielschichtigkeit der Gegensätze in Japan. Die Bilder zeigen die Friedhöfe als kleine Oasen des Friedens inmitten der hektischen Stadtlandschaften. […] Es fasziniert mich, wie solche Kontraste und Verbindungen in einer Fotoserie dargestellt werden und wie diese die Betrachter zum Nachdenken anregen können.“ Durch seinen aufmerksamen und einfühlsamen Blick auf die Besonderheiten in der Architektur und in der Stadtumgebung, das Wissen um die Wirkung von Lichtstimmungen in Gebäudekompositionen, kann Maximilian Gottwald in seinen
Fotografien, ganz nach Bresson, Dinge „sichtbar machen, die vielleicht ohne ihn nie wahrgenommen worden wären.“
Die in Heidelberg geborene und in Herrsching lebende Fotoingenieurin Pe-Lin Neven Du Mont versetzte die Besucher mit ihren Bildern nach Buhtan und Sikkim, die sie 2017 bereiste. Sikkim ist ein indischer Bundesstaat ganz im Nordosten von Indien, der an Tibet, Nepal und Buhtan grenzt. Neven Du Mont erzählt in ihren Bildserien Alltagsgeschichten. Sie lenkt den Blick auf für uns unbekannte Lebenswirklichkeiten, den Fokus auf unvermutete Unterschiede gerichtet und ungeahnte Gemeinsamkeiten hervorhebend. Diese Erfahrungen kann beim Betrachter sowohl Verbundenheit mit den abgebildeten Menschen und Situationen als auch Irritation oder gar Ablehnung und Kritik hervorrufen. Die Fotografin Neven Du Mont findet ihre Vorbilder bei den humanistischen Fotografen Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und deren Reportage-, Kriegs- und Dokumentarfotografie der 1940er Jahre. Unter „humanistischer Fotografie“ verstanden sie eine Art und Weise der Fotografie, die aus dem Verantwortungsgefühl des Fotografen gegenüber seiner Umwelt und den Menschen in ihr, Bilder hervorbringt, die sich mit sozialen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt und sie einem kritischen Publikum zur Disposition stellt. Durch den konsequenten Einsatz der analogen Fototechnik gelingt Pe-Lin Neven Du Mont letztlich eine besondere Direktheit des Motivs, die den Betrachter unmittelbar erfasst und sie „macht“ ganz nach Bresson, „sichtbar, was vielleicht ohne sie nie wahrgenommen worden wäre.“ Im Dachgeschoss konnten sich die Besucher auf eine fotografische Weltreise mit dem Herrschinger Fotografen Jörg Reuther begeben. Meere, Wüsten, Flüsse, Seen, Steppen, Canyons – Grandiose Landschaften, entlegenste Orte. Jörg Reuther fängt mit seiner Kamera großartige Stimmungen und unvergleichliche Momente auf seinen Reisen ein. Zudem porträtiert er auch die Menschen, die an den, zum Teil unwirtlichen Orten, leben. Seine Fotografien zeigen, wie diese Landschaften nicht nur die Lebensumstände, sondern die Menschen selbst prägen. Die Bilder in der Ausstellung entstanden unter anderem in Namibia, Bolivien, Saudi Arabien, Tschukotka, Australien, Grönland, Island und in der Mongolei. Jörg Reuther kam im Alter von acht Jahren das erste Mal mit der Fotografie in Berührung und machte sie zu seinem Hobby. Stundenlange Arbeit in der Dunkelkammer auf dem Dachboden schulte sein Verständnis für die technischen und gestalterischen Zusammenhänge. Nach dem Abitur studierte er Geologie in München. Das Studium brachte ihn zum Reisen und die Fotografie begleitete ihn stetig, bis sie zu seinem Beruf als Reise- und Sportfotograf wurde. Jörg Reuther zeigte auch einige Portraits von Menschen aus Oberbayern, die er für die Publikation „Leben ist Kunst“ 2019 anfertigte. Für jede von Jörg Reuthers Arbeiten gilt ohne Zweifel Bressons Aufforderung: „Sie machen sichtbar, was vielleicht ohne ihn nie wahrgenommen worden wäre.“ 800 bis 900 Besucher nahmen am Wochenende die Chance war im Kurparkschlösschen visuell auf die Reise zu gehen und genossen die vier individuellen Perspektiven der Fotografen Tibor Leiter, Maximilian Gottwald, Pe-Lin Neven Du Mont und Jörg Reuther.
Für Sie berichtete Catharina Geiselhart.














