++ Haushalt 2026 ++ Antrag auf Einrichtung einer Waldkindergartengruppe in Breitbrunn ++
Haushalt 2026
Usus für die letzte Gemeinderatssitzung am Jahresende ist die Vorstellung des Haushaltes. Doch keine Haushaltsplanung sei bisher so schwierig gewesen wie der von 2026, teilte Bürgermeister Christian Schiller mit. „Herrsching steht vor einer noch nie dagewesenen Situation“. Als Grund nannte er die exorbitant hohe Kreisumlage und eine Gewerbesteuerrückzahlung in Millionenhöhe. „Die hängt wie ein Damoklesschwert über uns“. Bevor die Kämmerin Miryam Goodwin die detaillierte Planung mit Zahlen vorlegte, wies Schiller darauf hin, dass Streichungen unumgänglich seien, um den Haushalt überhaupt aufstellen zu können. Die Einsparungen betreffen vor allem die 100 Herrschinger Vereine, für die es keinen oder nur noch einen geringen Zuschuss geben wird. „Herrsching hat landkreisweit den Spitzenplatz bei der Vereinsförderung eingenommen. Umso härter ist es, dass wir 2026 keine oder nur noch wenige Zuschüsse zahlen können“. Wenn ein Verein aber aufgrund der Einsparung in Existenznot gerate, dann solle man sich ans Rathaus wenden, räumte der Bürgermeister ein. Davon betroffen ist das Familienzentrum Herrsching e.V., dessen Antrag auf einen Mietkostenzuschuss in Höhe von 4.664 Euro zwar nicht in vollem Umfang entsprochen, aber vom Gemeinderat mit 3.000 Euro einstimmig beschlossen wird. Auch der Verein „Wir schaffen das e.V.“ darf sich über einen abgespeckten Zuschuss von 3.000 statt 6.900 Euro freuen. Kämmerin Miryam Goodwin sprach von einer „großen Herausforderung“: Sie bezifferte den Ergebnishaushalt 2026 mit rund 32,3 Millionen Euro (im Vorjahr 34 Millionen Euro). „Das sind 1,7 Millionen weniger als im Vorjahr“. Massive Kürzungen und die Generierung von Einnahmen durch Grundstücksverkäufe seien unerlässlich, um eine ausgeglichene Ergebnisrechnung sicherzustellen.
Die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinde bleiben die Steuererträge, die im Haushaltsjahr 2026 bei 22,4 Millionen Euro liegen werden (Vorjahr: 24,7 Millionen). Für den Beteiligungsbetrag bei der Einkommenssteuer 2026 rechnet Goodwin mit 10,6 Millionen, das sind 400.000 Euro (4 Prozent) mehr als im Vorjahr. Weniger positiv sieht es aktuell mit der Gewerbesteuer aus. Da im Haushaltsjahr 2026 eine außergewöhnlich hohe Gewerbesteuerrückzahlung in Höhe von 1,9 Millionen Euro sowie um rund 600.000 Euro reduzierte Vorauszahlungen eines Gewerbetreibenden erwartet werden, liegen die errechneten Erträgen aus der Gewerbesteuer bei nur 7,8 Millionen Euro, 2025 waren es noch 10,6 Millionen Euro. „Wir hoffen auf eine Erholung in 2027, hofft die Kämmerin. Die Transferaufwendungen mit 18 Millionen Euro bilden den größten Anteil an den Gesamtaufwendungen im Ergebnishaushalt, darunter die Kreisumlage, die von 11 auf 11,4 Millionen Euro angestiegen ist und 55,8 Prozent entspricht. Ein weiterer Anstieg der Kreisumlage auf über 60 Prozent in 2027 ist prognostiziert. „Zwar wird die Gemeinde aufgrund der voraussichtlich rückläufigen Steuerkraft absolut etwas geringer belastet, dennoch bleibt die Auswirkung erheblich“, berichtet die Kämmerin. Um die Kreisumlage zumindest teilweise zu kompensieren, wurde für das Haushaltsjahr 2026 der Rotstift angesetzt. Unter anderem werden folgende Einsparungen in zahlreichen Bereichen vorgenommen: Die Geschwisterermäßigung von 25 Prozent in Herrschinger Kindertagesstätten bekommen ab 2026 nur noch Familien, deren Einkünfte unter 65.000 Euro liegen. Die Förderung der Vereine wird deutlich eingeschränkt. Trotz notwendiger Kürzungen kann eine Vereinsförderung weiterhin aufrechterhalten werden, der Sockelbetrag beträgt im Haushaltsjahr 2026 200 Euro statt der ursprünglichen 250 Euro. Der Jugendzuschuss pro minderjährigem Vereinsmitglied wird auf 30 Euro halbiert. Reduzierte Kosten werden für die 1250 Jahr Feier veranschlagt (75.000 Euro), die Weihnachtsfeier des Gemeinderats entfällt, ebenso das Faschingstreiben sowie die GR-Technikpauschale. In 2026 soll es nur noch eine Bürgerversammlung in Herrsching geben und dadurch 3.000 Euro eingespart werden. Der Jahresempfang soll zu reduzierten Kosten im Rahmen der 1250 Jahresfeier stattfinden. Der Seniorennachmittag beim alljährlichen Schlossgartenfest bleibt, „es wird aber 2026 keine Verzehrgutscheine geben“, offenbarte Schiller. Frei werdende Stellen werden nicht nachbesetzt. Das Verkehrskonzept wird für ein Jahr ausgesetzt und mit einem Erinnerungswert von 100 Euro weitergeführt (statt 100.000 Euro). Diese Streichungen bringen der Gemeinde rund 620.000 Euro Ersparnis ein. Unterm Strich aber bleibt ein voraussichtliches positives Jahresergebnis für 2026 in Höhe von 10.984 Euro.
Das Haushaltsvolumen beträgt für 2026 rund 40,3 Millionen Euro (Vorjahr 41 Millionen Euro). Auch bei den Investitionen steht der Sparkurs an oberster Stelle. Umso mehr freut sich Christian Schiller, dass die Baumaßnahme zur Schaffung von bezahlbaren Wohnraum am Mitterweg gefördert wird ( je 3,45 Millionen für 2026 und 2027). Mit 7 Millionen stellt es die größte Investition für 2026 dar. Weiter zählen die Kostenbeteiligung am Gymnasium Herrsching mit 500.000 Euro, die Kanalbauarbeiten am Fendlbach (Sturzflutrisikomanagement) und der Regenwasserkanal in der Panoramastraße mit insgesamt 1,15 Millionen Euro zu den markanten Investitionen im Finanzhaushalt 2026. Außerdem stehen an: Der Umbau der alten Nikolauskirche zum Kultursaal mit 500.000 Euro, die Sanierung und Anschaffungen für die Christian-Morgenstern-Schule (413.000 Euro) sowie die Beteiligungskosten von150.000 Euro für den Schwemmholzrückhalt an der Kientalstraße, der durch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim errichtet wird. Für die Bahnhofsanierung ist aktuell kein Geld da, auch nicht für der Ausbau von Räumen für die Offene Ganztagsbetreuung in der Keramikstraße 5. Vorgesehen für 2026 sind nur die Planungskosten in Höhe von 100.000 Euro. Auch für das Baumentwicklungskonzept in der Seepromenade und in der Bahnhofstraße werden „nur“ jeweils 20.000 Euro Planungskosten eingestellt.
Abschließend fasste Miryam Goodwin zusammen, dass das Haushaltsjahr 2026 einen spürbaren Einschnitt in der Finanzlage der Gemeinde Herrsching bedeute. Nur durch umfangreiche Einsparmaßnahmen und unter der Voraussetzung, dass die eingeplanten Grundstücksverkäufe auch realisiert werden, könne ein positives Jahresergebnis erreicht werden. „Die Umsetzung der Grundstücksverkäufe ist noch ungewiss, so dass wir ab Jahresbeginn eine Haushaltssperre in Erwägung ziehen“, so Goodwin. Auch wenn sich die finanzielle Situation ab 2027 wieder stabilisieren sollte, bleibe der mittelfristige Handlungsspielraum eng begrenzt. Die Kämmerin betonte, dass die Erfüllung der Pflichtaufgaben oberste Priorität habe.
Alle Gemeinderäte stimmten dem Haushalt zu. Die Satzung tritt am 1. Januar 2026 in Kraft.
Antrag auf Einrichtung einer Waldkindergartengruppe in Breitbrunn
Die Gemeinde Herrsching braucht mehr Betreuungsplätze, trotz des neuen Kinderhauses Kunterbunt am Fendlbach. Wie die zuständige Sachbearbeiterin Sabine Lübbers berichtete, liege trotz Erhöhung um 25 Plätze im Kindergartenjahr 25/26 eine Unterdeckung und somit ein Platzbedarf von 25 Plätzen vor. Ursächlich hierfür ist der Zuzug von 30 Familien mit Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Sechs Kinder stehen bereits auf der Warteliste, andere wurden in Nachbargemeinden untergebracht. Der Antrag zweier Bürgerinnen zur Eröffnung eines Waldkindergarten in Breitbrunn komme eigentlich genau richtig, findet Lübbers. Mihaela Colareza und Sandra Wieser, beide aus Breitbrunn, stellten das Konzept in der Sitzung vor: „Wir wollen Kindern ermöglichen, die drei Jahre Kindergartenzeit in der Natur und vor allem im Wald zu erleben“, erklärte Wieser. Die Gruppe bietet Platz für maximal 22 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren. Das „Basislager“ soll nördlich der Waldkapelle Breitbrunn, oberhalb vom Sportplatz entstehen. Ob in Form einer Jurte oder die teurere Variante mit einem Zirkuswagen hängt von den finanziellen Mitteln ab. Sie baten die Gemeinde um einen Zuschuss je nach Variante in Höhe von 30.000 Euro (Jurte) oder 100.000 (Zirkuswagen) Euro. In Anbetracht der aktuellen Haushaltslage könne aber keine Investition gewährt werden, so Schiller. „Wir müssen sehen, wie es 2027 aussieht“. Falls die Bewerbung dann noch gelte, möchte er erneut darüber abstimmen lassen, schlug er den beiden Breitbrunnerinnen vor. Sie luden die Gemeinderäte trotzdem zu einem Tag der offenen Tür am 7. Februar ab 10 Uhr zur Besichtigung der Fläche ein.
Der Gemeinderat beschließt allerdings einstimmig die Erhöhung der Bedarfsplanung auf insgesamt 821 Plätze, davon 108 für Krippenkinder U3, 30 für Kinder von 0 bis 6 Jahren, 363 für Kindergartenkinder und 320 für die Schulkindbetreuung.
Sonstiges
In Breitbrunn fehlt ein Bushäuschen für die wartenden Schulkinder. Das soll sich bald ändern, wie der Bürgermeister mitteilte: „Unser Bauhof baut ein vier auf zwei Meter großes Häuschen ähnlich wie in Widdersberg“. Der Kostenfaktor für das Häuschen in der Schulstraße beträgt rund 3000 Euro.
Nächste Gemeinderatssitzung:
Mo., 26.01.2026,19 Uhr
im Rathaus, Sitzungssaal
Für Sie berichtete Nicole Burk.



