Luis (13, Mitte) beim kreativen Arbeiten mit seinen Freunden und Sozialpädagoge Christian Kreilkamp.
Bunte Farben, kreative Ideen und jede Menge Begeisterung: Der Graffiti-Workshop im Stellwerk – Haus der Jugend in Herrsching war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Bereits Wochen vor dem Termin am 3. Juli war der beliebte Workshop komplett ausgebucht. Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren verwandelten gemeinsam mit dem renommierten Streetart-Künstler Erwa.One, bürgerlich Vincent Göhlich, das Außengelände des Stellwerks in eine farbenfrohe Freiluft-Galerie.
Seit mittlerweile fünf Jahren bietet das Stellwerk den Workshop an – und das Interesse reißt nicht ab. Entstanden sind erneut zahlreiche kreative Motive auf den dafür vorgesehenen Flächen. Ein besonderes Highlight war die gemeinsame Gestaltung der Hauswand des Stellwerks, an der alle Teilnehmenden gemeinsam arbeiteten.
„Hinter Graffiti steckt sehr viel mehr Kultur, als viele denken“, sagt Sozialpädagoge Christian Kreilkamp vom Stellwerk. „Sie ist Ausdruck von Kreativität und einfach ein Teil unserer Kultur.“ Tatsächlich reicht die Geschichte der Wandkunst weit zurück: Bereits in der Steinzeit hinterließen Menschen ihre Bilder an Felswänden. Graffiti ist damit in gewisser Weise eine der ältesten Kunstformen überhaupt.
Dass aus kreativer Graffiti-Kunst sogar echte Projekte für die Gemeinde entstehen können, zeigt das Logo beziehungsweise Banner der Feierlichkeiten zum 1250-jährigen Bestehen Herrschings. Das markante Motiv wurde von Jugendlichen aus dem Stellwerk entworfen und ist damit ein sichtbares Beispiel dafür, welches kreative Potenzial in der Nachwuchsförderung steckt.
Im Workshop geht es jedoch nicht nur um Technik und Kreativität. Ein wichtiger Bestandteil ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit der Spraydose. Die Jugendlichen lernen den sicheren Einsatz der Materialien, tragen Handschuhe und Schutzmasken und erfahren, warum diese unverzichtbar sind. Aus Sicherheitsgründen können deshalb ausschließlich Jugendliche ab 12 Jahren teilnehmen.
„Wir haben auch viele Anfragen von jüngeren Kindern“, berichtet Kreilkamp. „Aber da müssen wir leider absagen. Die Sicherheitsmasken würden bei ihnen oft nicht richtig sitzen – und die Gesundheit geht selbstverständlich vor.“
Ebenso wichtig ist die Vermittlung der rechtlichen und kulturellen Grundlagen der Graffiti-Szene. „Graffiti-Workshops bedeuten immer auch Prävention vor Sachbeschädigung“, erklärt Erwa.One. „Die Jugendlichen lernen, wo sie legal sprühen dürfen und wo nicht. Und sie lernen Respekt vor anderen Künstlern. Dazu gehört beispielsweise auch, bestehende Kunstwerke nicht einfach zu übersprühen.“
Legale Graffiti-Flächen gibt es inzwischen in vielen Städten und Gemeinden. In Herrsching steht dafür unter anderem die Wand am Bofrost-Gebäude in Bahnhofsnähe zur Verfügung, auf der sich Sprayer kreativ entfalten dürfen. Darüber hinaus wird gemeinsam mit der Gemeinde immer wieder über weitere legale Flächen gesprochen, etwa über die Gestaltung von Stromkästen.
Welchen positiven Einfluss Streetart auf das Stadtbild haben kann, zeigt für Erwa.One ein internationales Beispiel: „In Montreal sind die Straßen selbst zu einer riesigen Galerie geworden. Teilweise besuchen Menschen lieber die Kunst im öffentlichen Raum als die Museen. Das zeigt, welche Bedeutung Streetart heute haben kann.“
Die Begeisterung der Jugendlichen im Stellwerk spricht jedenfalls für sich. Farben, Kreativität und gemeinsames Arbeiten verbinden – und zeigen einmal mehr, dass Graffiti weit mehr ist als bloßes Besprühen von Wänden.
Das mit Graffiti designte Banner der 1250-Jahrfeier.
Für Sie berichtete Sandra Eichner.










