Die Münchner Schäffler tanzten wieder in Herrsching

Kategorie: Kultur & Bildung

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Gerda Reichert, die Wirtin vom Seehof Herrsching mit den Münchner Schäfflern (v. l. n. r.): Robert Wagner (Tänzer), Andreas Peintner (Fähnrich/Charge), Stephan Deuringer (Tänzer), Magdalena Widhopf als Münchner Kindl, Markus Knoller (Tänzer), Stefan Schiedermeier (Reifenschwinger/ Charge) und Laurin Vogel (Tänzer).

Alle sieben Jahre tanzen sie auf den Marktplätzen in ganz Bayern – die Schäffler. Der Zunfttanz der Fassbauer ist eine der ältesten bayerischen Traditionen. Dieses Jahr haben die Münchner Schäffler wieder vor dem Seehof Herrsching am Ammersee getanzt. Zahlreiche Zuschauer ließen sich das Ereignis am Ufer des Ammersee vor dem Herrschinger Gasthof nicht entgehen. Christoph Saur, Mitglied des Vorstandes Fachverein der Schäffler Münchens e.V. freute sich ganz besonders darüber am Samstag, 7. Februar 2026 nach sieben Jahren wieder in Herrsching mit seiner Schäffler- Truppe auftreten zu dürfen: „Der Tanz in Herrsching ist eine bereits lieb gewonnene Tradition.“ Nach der ursprünglichen Entstehungslegende sollen die Schäffler in München erstmals 1517 während einer Pestepidemie öffentlich getanzt haben, um die Bevölkerung, die sich aufgrund der Pest kaum mehr auf die Straße traute, zu beruhigen und das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen. Urkundlich nachgewiesen ist der erste Schäfflertanz aber erst für das Jahr 1702. Seit 1760 wird das Schauspiel alle sieben Jahre – so auch 2026 – zur Faschingszeit aufgeführt. Der Turnus der Münchner Schäffler wurde seitdem – mit Ausnahme des Kriegsjahres 1942 – durchgehend eingehalten. Von seinem Ursprung in München verbreitete sich der Brauch ab 1830 durch wandernde Schäfflergesellen auch außerhalb Münchens und ist heute in vielen Orten im altbayerischen Raum und in Bayerisch-Schwaben üblich. Ursprünglich durften am Schäfflertanz nur unverheiratete Schäfflergesellen mit einwandfreiem Leumund teilnehmen, nicht jedoch Schäfflermeister oder deren Söhne. Erst ab den 1960er-Jahren mussten verheiratete und berufsfremde Tänzer zugelassen werden, um die Tradition überhaupt aufrechterhalten zu können.

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Neben den Tänzern gibt es Vortänzer, Fassschlager, die mit Hämmern auf Fässer schlagen, „Kasperl“, die zum Beispiel die Lokalprominenz „derblecken“ und Reifenschwinger. Die Reifenschwinger schwingen Holzreifen, in denen auf einer kleinen Verdickung ein volles Wein- oder Schnapsglas steht, ohne etwas daraus zu verschütten. Abgesehen von den Spaßmachern, die ein buntes Kostüm tragen, sind alle in der Schäfflertracht mit schwarzen Schuhen, weißen Kniestrümpfen, schwarzer Kniebundhose, Schurzleder, roter Jacke und grüner Kappe mit weißem Federbusch gekleidet. Diese Tracht und die heutigen Tanzfiguren gehen auf das Biedermeier in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.

„2026 tanzten die Münchner Schäffler in der Faschingszeit vom Heilig-Drei-Königs-Tag bis zum Faschingsdienstag am 17. Februar nach alter Tradition auf den Straßen und Plätzen der Landeshauptstadt München, in Schulen, bei Firmen, Jubilaren und auf Faschingsbällen und in der Umgebung“, so der Fachverein der Schäffler Münchens e.V.. „Rund 400 Auftritte gab es dieses Jahr in dem gesamten Zeitraum,“ berichtet der Vorstand des Vereins. Die Einladung des Gasthofs Seehof in Herrsching zum Tanz am Ammersee „war für uns auch dieses Jahr wieder eine Freude und ein besonderes Ereignis, wenn wir zum Tanzen aus München rauskommen,“ bestätigt Christoph Saur. „Uns hat der Auftritt richtig Spaß gemacht!“ So können sich die Herrschinger mit Sicherheit auf den nächsten Tanz in sieben Jahren freuen, wenn die Münchner Schäffler die Einladung auf die Tanzfläche vor dem Seehof am Ammerseeufer wieder annehmen.

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Für Sie berichtete Catharina Geiselhart.

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