Franz von Lenbach Ausstellung in Herrsching

Kategorie: Kultur & Bildung

Jetzt teilen:

Franz von Lenbach Ausstellung im Herrschinger Kurparkschlösschen

Leihgeber und Enkel Franz von Lenbachs Reinhold Neven Du Mont (ganz links) mit seiner Frau Pe-Lin Neven Du Mont (2.v.l.) lauschen der Einführungsrede der Kunsthistorikerin, Ausstellungskuratorin und stellv. Vorsitzenden des Kulturvereins Herrsching Catharina Geiselhart (rechts).

Ein neuer Blick auf den Münchner Malerfürsten

Wer den Namen Franz von Lenbach hört, denkt meist an die berühmten Porträts von bedeutenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Doch der als „Münchner Malerfürst“ gefeierte Künstler hatte noch viele andere Seiten. Die Ausstellung „Entdeckungen – Unbekannte Werke von Franz von Lenbach“ im Herrschinger Kurparkschlösschen lädt dazu ein, diese kennenzulernen. Anlässlich seines 190. Geburtstags präsentiert der Kulturverein Herrsching auf drei Etagen mehr als 40 Originalwerke aus Privatbesitz, die bislang nicht öffentlich gezeigt wurden. Ermöglicht wird die Schau durch Reinhold Neven Du Mont, mit 90 Jahren der letzte lebende Enkel des 1836 in Schrobenhausen geborenen und 1904 in München verstorbenen Künstlers. Gemeinsam mit weiteren Nachfahren Lenbachs aus der Region stellt er Werke aus Familienbesitz zur Verfügung und eröffnet damit einen seltenen Einblick in das private Umfeld des Malers.

Vom Malerfürsten zum Familienmenschen
Die von Catharina Geiselhart kuratierte Ausstellung zeigt Lenbach abseits seiner repräsentativen Auftragsarbeiten. Neben Ölgemälden sind Skizzen, Vorstudien und intime Familienporträts zu entdecken. Sie erzählen von seinem genauen Blick, seiner Arbeitsweise und seiner Rolle als Ehemann und Vater. Besonders berührend sind die Darstellungen seiner jüngsten Tochter Gabriele, die Lenbach in unterschiedlichen Lebensaltern festhielt. Auch seine Frau Lolo und die ältere Tochter Marion sind in den Werken präsent. Die Familienbilder zeigen einen aufmerksamen Vater und vermitteln eine persönliche Nähe, die man hinter den berühmten Repräsentationsporträts kaum vermuten würde.

Studien und Entwürfe gewähren zudem Einblicke in Lenbachs künstlerischen Arbeitsprozess. Auch sein Umgang mit fotografischen Vorlagen wird nachvollziehbar. Gerade darin liegt die Aktualität der Ausstellung: Im Zeitalter von Smartphone und Selfie stellt sich die Frage nach der Wirkung von Bildern auf neue Weise. Lenbach wusste um die Bedeutung von Blick, Haltung, Licht und Inszenierung. Seine Porträts waren keine bloßen Abbilder, sondern gestaltete Darstellungen von Persönlichkeit und gesellschaftlichem Rang.

Ein besonderer Schatz für Herrsching
Bei der Ausstellungseröffnung am Samstag, 17. Oktober, begrüßte Dr. Heinz Hellerer, der erste Vorsitzende des Kulturvereins Herrsching, die Gäste. Er dankte allen Beteiligten, insbesondere Reinhold Neven Du Mont und den Nachfahren Lenbachs aus der Region, die mit ihren Leihgaben die Präsentation ermöglichten. Auch das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder beim Aufbau und bei den Aufsichtsschichten während der Öffnungszeiten hob er ausdrücklich hervor. Der stellvertretende Landrat Manfred Walter überbrachte die besten Wünsche von Landrat Stefan Frey. Er zeigte sich erfreut über die kulturelle Vielfalt, die Herrsching zum Angebot im Landkreis Starnberg beiträgt, und betonte die Einzigartigkeit der Ausstellung mit bislang nie öffentlich gezeigten Werken aus Privatbesitz.

Hans-Hermann Weinen, Kulturreferent der Gemeinde Herrsching, vertrat den urlaubsbedingt verhinderten Bürgermeister Christian Schiller. Auch er zeigte sich begeistert von den Schätzen, die der Kulturverein auf drei Etagen des Kurparkschlösschens präsentiert. Mit ihrer Einführung gelang es Catharina Geiselhart, der zweiten Vorsitzenden des Kulturvereins Herrsching sowie Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung, einen vielschichtigen Franz von Lenbach lebendig werden zu lassen. Sie stellte nicht nur den berühmten Maler, sondern auch den Vater, Großvater, Fotografen, Reisenden und künstlerischen Experimentator vor.

Werbung

Ein Tag im Leben des Großvaters
Mit fast 200 Besuchern verzeichnete die Ausstellung am Samstag, 24. Oktober, bislang ihren besucherstärksten Tag. Ein besonderer Höhepunkt war die Lesung am späten Nachmittag: Reinhold Neven Du Mont, Leihgeber der ausgestellten Werke, ehemaliger Verleger bei Kiepenheuer & Witsch und selbst Autor, entführte das Publikum mit seiner Erzählung „Es lebe die Kunst“ in einen Tag im Leben seines Großvaters. Umgeben von Lenbachs Werken fand die Veranstaltung im ersten Obergeschoss des Kurparkschlösschens statt. Die besondere Atmosphäre verlieh der Lesung einen zusätzlichen Reiz: Die Bilder traten in einen persönlichen Zusammenhang mit den Geschichten aus dem Leben ihres Schöpfers. Moderiert und begleitet wurde die Lesung von der freien Journalistin Susanne Böllert. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und fand viel Anklang. Als Zugabe ließ Neven Du Mont mit der Erzählung „Lenbachs Audienz bei Papst Leo“ eine weitere Episode aus dem Leben seines Großvaters vor dem inneren Auge der Zuhörer lebendig werden. Auch im regulären Ausstellungsbetrieb ist das Interesse groß: Selbst unter der Woche kamen täglich bis zu 50 Besucher ins Kurparkschlösschen.

Kunstgeschichte im historischen Ambiente Das 1888 erbaute Kurparkschlösschen bietet einen passenden Rahmen für die Entdeckungsreise durch Lenbachs Werk. Die Präsentation verbindet Kunstgeschichte mit persönlicher Familiengeschichte und zeigt einen Künstler, dessen Schaffen weit über das Bild des berühmten Porträtisten hinausreicht. Die Ausstellung ist zugleich ein Beitrag zum 1250-jährigen Jubiläum Herrschings und zum 20-jährigen Bestehen des Kulturvereins Herrsching. Der begleitend erschienene Katalog vertieft die Auseinandersetzung mit dem Künstler und dokumentiert die gezeigten Werke. „Entdeckungen – Unbekannte Werke von Franz von Lenbach“ ist noch bis zum 8. November 2026 im Kurparkschlösschen, Scheuermannstraße 3, in Herrsching zu sehen. Geöffnet ist montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt neun Euro, ermäßigt sechs Euro. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre haben freien Eintritt.

Weitere Informationen und Termine für Führungen:
www.kulturverein-herrsching.de

Werbung

Für Sie berichtete Herrschinger Spiegel.

Jetzt teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Mirabell-Duo eröffnet Herrschinger Konzerte 2026/27

Berufsmesse in Herrsching: Wenn die Zukunft direkt vor der Tür liegt

„Carmina Burana“ begeistert Herrsching

Stimmungsvoller Abend in Herrsching mit dem Duo La Vigna

Neueste Meldungen:

Mirabell-Duo eröffnet Herrschinger Konzerte 2026/27

Gemeinderatssitzung vom 26.10.26

Werbung

Verstärken Sie unser Herrschinger Spiegel-Team!

weitere Infos