„Carmina Burana“ begeistert Herrsching

Kategorie: Konzerte

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Herrsching wird zum Konzertsaal
Eine Turnhalle als Konzertsaal, 150 Stimmen und ein Werk, das wie kaum ein anderes für die Wucht eines großen Chores steht: Mit Carl Orffs „Carmina Burana“ haben die Herrschinger Chöre am 26. Juli noch einmal ein besonderes musikalisches Ausrufezeichen im Jubiläumsjahr gesetzt. Rund 800 Besucher kamen in die Realschulturnhalle – und erlebten einen Abend, bei dem vor allem eines im Mittelpunkt stand: das gemeinsame Musizieren.

150 Sängerinnen und Sänger auf einer Bühne
Wo sonst Sportunterricht stattfindet, Bälle fliegen und Turnschuhe über den Hallenboden quietschen, bot sich an diesem Sonntagabend ein gänzlich anderes Bild. Die Dreifachturnhalle der Realschule war zum Konzertsaal geworden. Der ungewöhnliche Veranstaltungsort war dabei nicht zuletzt der schieren Größe des Projekts geschuldet: Rund 150 Sängerinnen und Sänger kamen für die Aufführung zusammen, darunter die Evangelische Kantorei Herrsching, der Kirchenchor der Pfarreiengemeinschaft Ammersee-Ost und Cantilena. Verstärkung erhielten die Erwachsenen von rund 30 Kindern aus Herrschinger Kirchen- und Schulchören. Damit wurde das Konzert selbst zu einem Stück gelebter Ortsgemeinschaft. Menschen unterschiedlichen Alters, aus verschiedenen Chören und Kirchengemeinden hatten über Monate auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet. Bereits seit Jahresbeginn wurde zunächst getrennt geprobt, bevor die Sängerinnen und Sänger schließlich zu einem großen Ensemble zusammenwuchsen. Cantilena übernahm bei dem Gemeinschaftsprojekt einen wesentlichen Teil der Organisation. Dass ein Konzert dieser Dimension auch hinter den Kulissen eine Herausforderung darstellte, zeigte sich schon bei den Vorbereitungen: Für die Veranstaltung musste unter anderem eigens ein Sicherheitskonzept erstellt werden.

Ein neues Werk zum Herrschinger Jubiläum
Musikalisch begann der Abend mit etwas, das tatsächlich zum ersten Mal überhaupt öffentlich zu hören war. Birgit Henke hatte eigens zum 1250-jährigen Ortsjubiläum das Werk „Franzesco di Wessobrunn“ komponiert. Die Idee dazu stammte von Elisabeth Schmidt. Grundlage der Komposition sind das Wessobrunner Gebet und der Sonnengesang des Franz von Assisi. Gregorianisch anmutende Klänge treffen darin auf eine moderne Tonsprache und erste Anklänge an Carl Orff – eine musikalische Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart und zugleich eine passende Hinführung zum großen Werk des Abends. Dann gehörte die Halle Carl Orffs „Carmina Burana“. Schon die ersten mächtigen Klänge des berühmten „O Fortuna“ ließen erahnen, warum für dieses Konzert ein Raum dieser Größenordnung notwendig war. Zu den rund 150 Chorstimmen kamen drei Solisten, zwei Klaviere und fünf Schlagwerker. Die musikalische Leitung teilten sich Elisabeth Schmidt und Birgit Henke.

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Wuchtige Klänge und starke Gegensätze
Orffs „Carmina Burana“ lebt von starken Gegensätzen: mal wuchtig und rhythmisch, mal leise, verspielt oder beinahe schwebend. Entsprechend abwechslungsreich präsentierte sich auch der Abend. Mit Teresa Boning, Wolfgang Schmidt und Thilo Himstedt übernahmen drei Solisten die anspruchsvollen Gesangspartien. Für die instrumentale Grundlage sorgten Julia Dömel und Brigitte Heigenhuber an den Klavieren sowie das Schlagwerkensemble unter Andreas Langanki.

Musik als Ausdruck von Gemeinschaft
Dass die Wahl ausgerechnet auf die „Carmina Burana“ fiel, passte dabei gleich in mehrfacher Hinsicht zum Anlass. Das Werk verlangt nach vielen Stimmen, lebt von Gemeinschaft und entfaltet seine Wirkung gerade durch das Zusammenspiel eines großen Ensembles. Damit spiegelte es auf musikalische Weise auch eine Idee wider, die sich durch das Herrschinger Jubiläumsjahr zog: gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, das ein Einzelner allein nicht schaffen könnte.

Ein gemeinsames Projekt für Herrsching
Auch Bürgermeister Christian Schiller griff diesen Gedanken auf. Er begrüßte die Gäste und dankte den zahlreichen Mitwirkenden sowie insbesondere Cantilena für die organisatorische Verantwortung. Wie groß der Aufwand für den Abend war, zeigte sich auch finanziell: Trotz des erstmals erhobenen Eintrittspreises von 20 Euro ließen sich die Kosten des Projekts kaum vollständig decken. Am Ende stand damit nicht nur eine Aufführung eines der bekanntesten Chorwerke des 20. Jahrhunderts. Der Abend zeigte auch, welche musikalische Vielfalt in Herrsching vorhanden ist – und was entstehen kann, wenn Chöre, Schulen, Kirchen, Musikerinnen und Musiker gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Die Turnhalle dürfte am nächsten Tag wieder vor allem Turnhalle gewesen sein. Für einige Stunden jedoch wurde sie zum größten Konzertsaal Herrschings – gefüllt mit Musik, rund 800 Zuhörerinnen und Zuhörern und vor allem mit 150 Stimmen, die an diesem Abend zu einer wurden.

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Für Sie berichtete:
Sandra Eichner. Foto: HS

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