Hanni Göppel vom Ammerseer Bauerntheater führte mit ihren Moderationen durch die Geschichte Herrschings.
Zum 4. Mal belebte das Ammerseer Bauerntheater spielerisch vergangene Zeiten
Mit szenischen Ortsführungen bringt der Verein Ammerseer Bauerntheater ein bisschen Geschichte auf die Straßen in Herrsching. 2016 war die Premiere, die letzte Ortsführung gab es im Sommer 2024. Hanni Göppel und Monika Jäger leiten und moderieren auch heuer wieder die Ortsführungen durch Herrsching, die von Juli bis Mitte August jeweils donnerstags um 19 Uhr stattfinden. Das Besondere daran: In jeweils passenden Kostümen begleiten die Mitglieder des Ammerseer Theatervereins den Spaziergang und präsentieren szenische Einlagen zu den verschiedenen Gebäuden und ihren Geschichten. Gestartet wird an der Kreuzung Mühlfelder-Straße Ecke Weinhartstraße (neben der Bäckerei). Weiter geht es durch die Seestraße, Zum Landungssteg und dann in Richtung Andechser Hof.
„Unsere Quellen sind die Bücher vom Radl Hans und die Aufzeichnungen vom Heimatpfleger Gustl Empfenseder“, erzählt Hanni Göppel zu Beginn der Führung. Es gehe nicht nur um geschichtsträchtige Bauwerke, sondern um Anekdoten, Erlebnissen und Erinnerungen aus längst vergangenen Zeiten. „Die Lebendigkeit erhalten wir von den Berichten einiger Augenzeugen“. Es gehe darum, die Erinnerung lebendig zu halten.
An der Mühlfelder Straße habe von 1975 bis 1985 regelmäßig am Faschingsdienstag ein großes Faschingstreiben mit Umzug und vielen Verkaufsständen stattgefunden. „Jedes Geschäft beteiligte sich an den Aktivitäten, von der Bratwurst über Süßes zu Getränken“, berichtet Göppel. Die Straße durfte für drei Stunden von Ampel zu Ampel gesperrt werden. „Anlässlich der 1200 Jahrfeier wurde hier sogar zum Tanz mit Blaskapelle eingeladen.“
Dort, wo sich heute der Edeka befindet, war bis 1969 das „Ammersee-Lichtspiel-Theater“ beheimatet. Das Kino mit 450 Sitzplätzen eröffnete 1948 das „kulturelle Zentrum Herrschings“ zur damaligen Zeit. Es begeisterte die Besucher mit Nachkriegsfilmen und großen Stars, bis es am 24. August 1969 seine Pforten schloss. Ende Januar 1970 wurde schließlich ein Supermarkt eröffnet.
Im benachbarten Gebäude, wo jetzt ein Immobilienbüro ansässig ist, befand sich das bekannte Sporthaus Henle. Noch ein bisschen früher, in den 1920er Jahren, war dort die Centralgarage Seidl, bis Anfang der 50er Jahre eine Tankstelle mit Werkstatt zu finden. Ab 1961 übernahm der Münchner Hermann Henle das Unternehmen. Er baute die Tankstelle aus und eröffnete ein Kaufhaus für Sportbekleidung, Ski-Ausrüstung, Bademoden und Mode. Vielen alteingesessenen Herrschingern dürfte der Ball „Henles tolle Nacht“ noch in Erinnerung sein – ein Großevent mit über 1000 Besuchern, Live-Bands und einigen Stargästen.
Entlang der Seestraße gab es einige Anekdoten beispielsweise über die „Villa Maria“, die durch Verkauf und Vererbung in den Besitz der Familie Larcher überging. Unter dem Giebel stand viele Jahre zur Weihnachtszeit ein riesiger goldener Engel. Oder über den Goldschmied Pätzold, als eines Tages Lisa Fitz vor der Tür stand und für ihren Dackel Ohrringe stechen lassen wollte.
Nicht zu vergessen „Carlas Kaffeehaus“, das 1998 renoviert wurde und dabei ein kleines Café mit rund 20 Sitzplätzen entstand. Danach wurde es kontinuierlich vergrößert und bekam einen „Wiener Café Haus Stil“. Am 31.12. 2023 wurde die letzte Kundin bedient bevor es im Jahr 2025 abgerissen wurde.
Die Ortsführung endete am Andechser Hof, der seit 60 Jahren die Spielstätte des Ammerseer Theatervereins ist.
Die Mitglieder des Theatervereins belebten mit szenischen Einlagen die Anekdoten zu den Gebäuden und Menschen.
Für Sie berichtete Nicole Burk.









