Durch Rassenhygiene zu einem „reinem Volkskörper“

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Die Gemeinde- und Kreisarchivarin Friedrike Hellerer hat über die NSDAP im Landkreis promoviert. Nach Recherchen zu den Tätern, begab sie sich nun in Bundes-, Staats und Gemeindearchiven, Kirchenämtern, Standesämtern u.a. Stellen auf die Suche nach Unterlagen zu den vielen Opfern dieser Zeit – in diesem Fall zu den Opfern von Euthanasie.

Friedrike Hellerer sprach im Rahmen ihrer Ausstellung im Rathaus über Euthanasie im Landkreis Starnberg

Akten, die mit Sperrvermerken blockiert sind. Unterlagen, die ungern gezeigt werden und deren Veröffentlichung nur unter Einhaltung bestimmter Bedingungen möglich ist. Viele Nachweise wurden sowieso in den letzten Kriegstagen vernichtet und noch heute scheint eine Auseinandersetzung mit dem Thema nicht gerne gesehen.
Die Gemeinde- und Kreisarchivarin Friedrike Hellerer hat Erfahrung darin, in verstaubten Archiven nach verborgenen Dokumenten zu graben. Doch die Suche nach Hintergründen über die Euthanasie-Opfer während der NS-Zeit, stellte sie vor nochmal größere Herausforderungen. Aber Friedrike Hellerer möchte diesen Opfern einen Namen geben. Personen hinter diesen Begriffen Euthanasie und Eugenik erkennbar machen. Mariele, die nicht „bildungsfähig“ war, Friedrich, „der nur schwer sprechen konnte, der gehörlose Pepi und so viele andere mehr, deren Todesurteil es war, nicht der Idealvorstellung des Deutschen Volkes zu entsprechen.

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„Gerade in diesen Jahren, wo die letzten Zeitzeugen sterben und nicht mehr von dieser Zeit erzählen können, ist es so wichtig, die Erinnerung daran lebendig zu halten“, betont die Kreisarchivarin. In Abstimmung mit dem Landratsamt hatte sie daher eine Ausstellung zu diesem Thema konzipiert und besucht damit nun Schulen und Rathäuser im Landkreis. Über 50 Opfer fielen hier im Landkreis Starnberg der Euthanasie zum Opfer und über 200 der Zwangssterilisation. Ob Sprachfehler, taub, depressiv, „liederlich“ oder in anderer Hinsicht der arischen – und damit höchsten – „Rasse“ nicht würdig: das 1933 erlassene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ öffnete der Zwangssterilisation alle Türen.
Bereits im 19. Jahrhundert hatte sich unter dem Einfluss von Darwin die Vorstellung einer Evolution von „Rassen“ herausgebildet und der in Herrsching wohnende Alfred Ploetz griff dieses Thema auf und leitete daraus die „Rassenhygiene“ ab. Zum Schutz der „Tüchtigkeit unserer Rasse“ gab er die Empfehlung ab, daß kranke Neugeborene durch Ärzte „ein sanfter Tod bereitet wird (…). Später half er mit, dem ebenfalls nach Herrsching gezogenen Franz Lenz dessen Weg zur 1. Professor für Rassenhygiene zu ebnen.

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Ausmerzen, was nicht der Idealvorstellung entsprach: hinsichtlich der Zwangssterilisation seit 1933 gesetzlich legitimiert und in Punkto Euthanasie zumindest juristisch nicht verfolgt. Hundertausende Menschen verloren im 2. Weltkrieg ihr Leben aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen. Abtransportiert durch die „T 4-Organisation“, benannt nach ihrer Adresse Tiergartenstraße 4 in Berlin. Verschleppt in Heime, die zu Tötungsanstalten wurden und deren Opfer häufig nur noch Namen auf Listen sind. Und deren offizielle Todesursachen „Nackenfurunkel“ waren oder schlicht als „unerwartete Todesfälle“ eingestuft wurden.
Mit Bildern und Ablichtungen von Dokumenten unterlegte die Historikerin ihre detaillierte Aufarbeitung dieses unschönen Themas. Ging gerne und informativ auf die vielen Fragen und Beiträge ein, die aus dem Publikum kamen. Und bejahte nicht zuletzt auch die geäußerte Befürchtung, dass es Parallelen gibt zur aktuellen Zeit, in der rechtes Gedankengut um sich greift. Und ein politisches Klima, in dem sich links und rechts plötzlich wieder im Schulterschluss vereinen, um gegen „bunt“, Corona-Maßnahmen oder andere Umstände zu demonstrieren, die nicht in ihr Weltbild passen.

Für Sie berichtete Barbara Geiling.

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